Das war 40 Jahre PUM. Nachschlag und Radiosendung.

Das war 40 Jahre PUM. Nachschlag und Radiosendung.

Am 16. November feierte die PUM ihr 40jähriges Bestehen. Zahlreiche Gäste folgten der Einladung nach Schwanenstadt. Interessante Geschichten, Informationen, Interviews und den Radiobeitrag von Christian Aichmayr finden Sie in diesem Beitrag.

Am 7. Oktober 1979 kandidierte die PUM erstmals für den Schwanenstädter Gemeinderat und konnte damals ein Mandat von 25 zu vergebenden Mandaten gewinnen. Als Gründer und Listenführer der PUM zog Heini Staudinger – jetzt bekannt als GEA Eigentümer und in Schrems/Niederöstereich tätig und wohnhaft – in den Gemeinderat ein. 

 

Auszug aus der Radiosendung von Christian Aichmayr:

Über Nacht war Schwanenstadt damals mit einem sehr innovativen Wahlplakat, welches von Manfred Kiwek gestaltet wurde, zuplakatiert worden. Erst beim genauen Hinsehen erkannte man dann, dass es dabei um die Gemeinderatskandidatur einer neuen Gruppierung ging, die neben den etablierten Parteien ÖVP, SPÖ und FPÖ mitreden wollte.

Beim Durchsehen der Kandidatenliste musste man feststellen, dass vor allem junge Menschen, deren Eltern oder anderweitige Verwandte zum Teil schon in allen Gemeinderatsfraktionen vertreten waren, gemeinsam zur Wahl antraten. Schwanenstadt hatte an diesem Überaschungstag wohl nur ein Thema ... was passiert da gerade. Es war irgendwie ein Tabubruch ... ein Sündenfall!

Ich war seinerzeit mittendrinnen im Geschehen, ich kandidierte mit meinen damals 21 Jahren auf Platz 7 der PUM von – wenn ich mich richtig erinnern kann – 26 KandidatInnen. Also eine ganz kleine Gruppierung war das nicht.

Schon der Leitspruch des Plakates signalisierte, dass es hier um etwas Neues geht: Da hieß es: Auf welche Weise stirbt der Mensch? Indem sein Herz aufhört zu schlagen; und das ist wohl die bekannteste Art. Oder auch indem er wird, wie die anderen; so sterben viele und man hat des nicht acht, sie selber merken es oft nicht das ganze Leben lang. Nur vielleicht einmal spät steigt es ihnen sekundenhaft auf, aber sie streifen es ab, wie ein Stäubchen am Kleid. Wenn man sich’s auswählen könnte, da weiß mans nicht, und wenn man’s weiß, hat man die Wahl nicht mehr. Dies ist die Regel.

Am Wahltag selbst fungierte ich Wahlzeuge im Wahllokal Linzerstraße in meiner ehemaligen Volksschule. Wahlleiter war mein ehemaliger Hauptschuldirektor Oberschulrat Rupert Gugerbauer, der damals auch FPÖ Stadtrat war. Sehr erfolgreich schnitt die PUM in diesem Wahlsprengel nicht ab. Ich kann mich an gerade 10 Stimmen erinnern. Was mir bis heute positiv in Erinnerung geblieben ist, ist die Gratulation des Wahlleiters: Gugerbauer meinte zu mir: „Herr Aichmayr, recht ergiebig war dieser Wahlsprengel für sie nicht. Aber das war hier zu erwarten. Trotzdem bin ich mir sicher, dass die PUM zumindest 1 Mandat schafft – und dazu gratuliere ich Ihnen jetzt schon. Ich persönlich finde es toll, dass sich junge Leute politisch engagieren wollen. Alles Gute!“

Und das konnte die PUM auch durchaus brauchen. Natürlich hinkte man – im Vergleich zu den etablierten Parteien – oft Informationen hinterher. Die Gemeindebediensteten, die da oft auch für Auskünfte herzuhalten hatten, waren zum Teil auch etwas verunsichert, wie mit Anfragen der PUM umzugehen sei – Bürgermeister war seinerzeit Rudolf Staudinger, der für die ÖVP auch im Nationalrat saß und nicht immer Freude mit seinem forschen Neffen Heini hatte.

In den ersten Jahren der PUM war ich aktiv mit dabei ... dann verlegte ich meinen Wohnsitz mehrere Male, blieb aber der PUM zuliebe in Schwanenstadt bei meinen Eltern mit Hauptwohnsitz gemeldet. 

Zu tun gab es ja einiges ... die PUM wirbelte durchaus etwas auf – mir besonders in Erinnerung ist eine Veranstaltung am 17. Dezember 1983 zum Thema Drogenkonsum mit dem Rechts- und Kriminaklsoziologen Arno Pilgram, dem Linzer Rechtsanwalt Wolfgang Mohringer und dem damaligen Vöcklabrucker SPÖ Nationalratsabgeordneten Peter Keppelmüller, nachdem zahlreiche Jugendliche in Schwanenstadt wegen Cannabiskonsum angezeigt geworden waren. Leider konnten wir niemanden vom Drogendezernat dazu bwegen, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen. 

Spektakulär war auch der Abriss des früheren Altenheimes de-facto überfallsartig über Nacht, da seitens der ÖVP befürchtet worden war, die PUM würde ein Berliner Hausbesetzungskommando organisieren, nachdem sie den geplanten Abriss in Frage gestellt hatte und vorschlug, dort doch statt dessen Startwohnungen für junge Menschen zu schaffen.

Eine Anekdote fällt mir noch ein: Die Bundesstraße 1 von Schwanenstadt nach Attnang-Puchheim war ja lange Jahre von Bäumen eingesäumt. Und es muss so Anfang / Mitte der 80iger Jahre die Entscheidung gefallen sein, diese Bäume zu entfernen.

Die PUM war strikt dagegen ... und hat das auch entsprechend öffentlich vertreten. Harald Bauer, damaliger PUM-Aktivist – inzwischen leider schon verstorben - hat dazu auch einen eigenen Artikel verfasst und darin Argumente dargelegt, die gegen die Entfernung der Bäume sprachen.

Die Argumentation der PUM war chancenlos und die Bäume wurden gerodet. Harald war aber damals genau bei jener Baufirma beschäftigt, welche den Auftrag durchführte. Heißt: Er selbst musste dabei Hand anlegen. „Was soll ich tun, meinte er ... wenn’s ich nicht tue, macht’s ein Anderer ...“. Aber gut gegangen ist es ihm dabei sichtlich nicht!

6 Jahre später, 1985, kandidierte zum zweiten und letzten Mal für die PUM – und auch nur mehr auf Platz 13 – es war klar, man muss im Ort tatsächllch wohnen, wenn man wirklich etwas mitbekommen will. Die PUM ereichte damals ein zweites Mandat. Aktuell hält sie bei 3 Mandaten und hat damit auch einen Sitz im Stadtrat, in der Vergangenheit saßen aber auch schon 4 Mandatare der PUM im Gemeinderat.

So um 1990 gab es in Österreich Diskussionen um den Aufgabenbereich der Staatspolizei – und in der Folge war es möglich dort nachzufragen, ob man als Privatperson schon eimal im Visier der Staatspolizei gewesen war. Neugierig wie ich einmal bin, habe ich damals um Akteneinsicht ersucht und siehe da, es war tatsächlich ein Akt von mir angelegt worden, in dem festgehalten wude, dass ich zwemal für die PUM für den Schwanenstädter Gemeinderat kandidiert hatte. 

Für die jährliche Veranstaltung des PUM-Festes in der Faschingszeit war die PUM rasch überregional bekannt. Das allerserste PUM-Fest fand am 18.02.1980 im damaligen Schwanenstädter Pfarrsaal statt. Musikalisch wurde es vom Harri Stojka-Express umrahmt ... ich habe in den ersten Jahren mit großem Engagement mitgeplant, mitorganisiert und mitgeholfen, dass diese Großveranstaltung mit einigen hunderten Besuchern gut abläuft, in Erinnerung geblieben sind mir neben den vielen Einlagen, die wir mit viel Phantasie auf die Bühne gebracht haben, vor allem das Zusammenräumen in der Früh nach dem Fest – wo wir dann im Regelfall den Stress hatten, bis 7.00 Uhr den Saal tadellos geputzt wieder zurückzugeben. In diesen Morgenstunden habe ich manchmal beinahe depressive Zustände gehabt, von wegen, „warum tue ich mir das wirklich an“ ... und es ging oft auch um Fingerspitzengefühl, wenn ich z. B. hinter einem Vorhang einen volltrunkenen PUM-Festbesucher entdeckte, der nach dem Aufwecken gleich wieder weiter trinken wollte und nicht sofort bereit war zu akzeptieren, dass wir alle schon am Zusammenräumen waren und das Fest bereits der Vergangenheit angehörte. 

Ich denke, es waren so an die 10 Jahre, wo ich mich bei der PUM eingebracht habe und wo ich viele Erfahrungen machen konnte, die mich auch im späteren Leben weiter gebracht haben. Außerdem habe ich mich mit den Menschen, die ich in diesem Umkreis kennen lernen konnte, einerseits recht wohl gefühlt und andererseits auch entsprechend wertgeschätzt gefühlt. Im Gemeinderat bin ich nie für die PUM gesessen, konkrete Gemeinderatsarbeit habe ich erst ab 1997 erlebt, als ich wohnortmäßig in der Gemeinde Rutzenham gelandet bin und dort dann für die Bürgerliste Rutzenham kandidiert habe, die seit 1985 im Rutzenhamer Gemeinderat vetreten ist und deren Obmann ich seit dem Jahr 2003 bin.

Die PUM hat 1979 als unabhängige Gruppierung kandidiert, in den 90igern wurde wurde entschieden, sich als Grüne Gruppierung zu deklarieren und sich de-facto den Grünen anzuschließen.

Als PUM-Gründungsmitglied wurde ich anläßlich der 40-Jahresfeier der PUM, die am Samstag 16. November 2019 im Schwanenstädter Stadtsaal stattfand, und von Stadtrat Karl Vesely und Gemeinderätin Andrea Schrattenecker gebeten, einen Radiobeitrag zu „40 Jahre PUM“ zu machen. Dem bin ich gerne nachgekommen und habe mein Aufnahmegerät zum Festakt mitgenommen. 16 kurze Interviews habe ich dabei gemacht ... und die einzelnen Wortmeldungen stelle ich jetzt vor. 

  1. Und dabei beginne ich mit Heini Staudinger, ohne den es die PUM wohl nicht geben würde, er war der Initiator und führte die erste Kandidatenliste an.
  2. Edi Kudernatsch war auf der ersten Kandidatenliste auf Platz 2, saß für sie im Gemeinderat und im Stadtrat und ist heute noch Gemeinderatsersatzmitglied:
  3. Rainer Christ kandidierte auf Platz 3 der ersten Kandidatenliste. Er lebt schon lange in Wien und erlebt die PUM nur mehr aus der Bundeshauptstadt:
  4. Der Schwanenstädter Bürgermeister Karl Staudinger war im Jahr 1979 ÖVP Gemeinderat und kann sich noch recht gut an das Stimmungsbild in Schwanenstadt erinnern, als die PUM zum ersten Mal kandidierte:
  5. Markus Fischer ist ÖVP Vizebürgermeister in Schwanenstadt – von mir befragt zur PUM meint er:
  6. Der SPÖ Stadtrat Gerhard Iglsböck war im Jahr 1979 noch nicht im Schwanenstädter Gemeinderat vertreten, hat aber die damalige Kandidatur noch gut in Erinnerung und schätzt die Zusammenarbeit:
  7. Michael Dutzler ist FPÖ-Stadtrat in Schwanenstadt – als die PUM 1979 das erste Mal kandidierte, saß sein Vater für die FPÖ im Gemeinderat:
  8. Der Klubobmann der Grünen im OÖ. Landtag, Gottfried Hirz, beschreibt, was er an der PUM schätzt:
  9. Befragt habe ich auch Elisabeth Rumpf, die in Gmunden für die Grünen im Gemeinderat sitzt und die sich als grünes Urgestein bezeichnet:
  10. Claudia Hauschild-Buschberger ist Grünen- Gemeinderätin in Seewalchen und sitzt seit kurzem für die Grünen im Bundesrat ... ihr Statement zu 40 Jahren PUM:
  11. Gast bei der 40 Jahres-Feier der PUM war auch der Grüne Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi, ihn habe ich u. a. gefragt, wie denn die politische Situation Ende der 70iger Jahre in Tirol ausgesgesehen hat:
  12. Von Dornbirn war die Grüne Stadträtin Juliane Alton angereist – auch sie habe ich um einige Worte gebeten:
  13. Die Grüne OÖ. Landtagsabgeodnete Ulrike Böker war von 2003 – 2015 für pro O. - Liste für Ottensheim Bügermeisterin ...
  14. Jemand der aus nächster örtlicher Nähe jahrzehntelang die Aktivitäten der PUM miterelebt hat, ist der frühere Vöcklabrucker Grünen-Stadtrat Stefan Hindinger, der nun noch als Gemeinderat in Vöcklabruck tätig ist:
  15. Die PUM Gemeinderätin Andrea Schrattenecker im Interview.
  16. PUM Stadtrat Karl Wesely war mein letzter Befragter.

 

Liebe Hörerinnen und Hörer, 40 Jahre PUM Schwanenstadt, war mein 123. VOR ORT Beitrag – es freut mich, wenn dieser auf Ihr Interesse gestoßen ist, es verabschiedet sich von Ihnen Christian Aichmayr.

Link zur Sendung: https://cba.fro.at/435663

 

Im Beitrag sehen sie spannenden zeitgenössischen Briefverkehr sowie Leserbriefe aus dem Jahr 1983 und 1984.

Text- und Bildquelle: Christian Aichmayr

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