Gewalt hat in unserer Gesellschaft keinen Platz

Gewalt hat in unserer Gesellschaft keinen Platz

Im Bild OGM-Chef Wolfgang Bachmayer, Innenminister Karl Nehammer und Frauenministerin Susanne Raab

Innenminister Karl Nehammer, Frauenministerin Susanne Raab und der Leiter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts OGM ("Österreichische Gesellschaft für Marketing"), Wolfgang Bachmayer, präsentierten am 21. September 2020 im Innenministerium eine Studie zu häuslicher Gewalt während des Corona-Lockdowns. Für Innenminister Nehammer ist ein "jeder Fall einer zu viel".

"Gewalt hat in unserer Gesellschaft keinen Platz – weder in der Öffentlichkeit noch im privaten Bereich. Das bedeutet aber auch ein herausforderndes Herangehen vor allem für die Polizei", sagte Innenminister Karl Nehammer bei der gemeinsamen Präsentation einer Studie zu häuslicher Gewalt während des Corona-Lockdowns mit Frauenministerin Susanne Raab und dem Leiter des Markt- und Meinungsforschungsinstituts OGM ("Österreichische Gesellschaft für Marketing"), Wolfgang Bachmayer, am 21. September 2020 im Innenministerium.

"Seit 1997 gibt es in Österreich ein Gewaltschutzgesetz, das polizeiliches Einschreiten möglich macht. Österreich hat damit eine Vorreiterrolle übernommen", sagte Nehammer. Dieses Gesetz sei die Grundlage für das Verhängen von Wegweisungen und Betretungsverboten. In einer Novelle Anfang 2020 wurde das Gewaltschutzgesetz auf Annäherungsverbote ausgeweitet, z.B. bei Kindern, die sich in Schulen oder Kindergärten aufhalten.

Bis zum 31. August 2020 wurden in Österreich insgesamt 8.063 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen. Durchschnittlich werden etwas mehr als 1.000 Betretungsverbote pro Monat in Österreich verhängt. Im März 2020 wurden laut Aufzeichnungen des Innenministeriums 972 Betretungs- und Annäherungsverbote verhängt, im April 1.081, im Mai 1.049, im Juni 1.000, im Juli 1.084 und im August 1.055.

"Eine entwickelte Demokratie erkennt man daran, wie sie mit Gewalt und vor allem mit der Prävention von Gewalt umgeht", sagte Nehammer. "Gewalt in der Familie kann nur durch einen engen Schulterschluss der gesamten Gesellschaft begegnet werden. Ich werde daher die behördenübergreifende Vernetzung in Zukunft noch stärker forcieren", sagte der Innenminister.

Besondere Herausforderung während Corona-Lockdown

"Auch die Corona-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen, vor allem ökonomisch, gesundheitspolitisch, bildungspolitisch, aber auch in vielen gesellschaftlichen Fragen", sagte der Innenminister. "Jene Maßnahmen, die in der Pandemie gesetzt wurden, müssen auch evaluiert werden. Die vorliegende OGM-Studie ist eine Bestandsaufnahme zur Evaluierung von Auswirkungen der Beschränkungen", sagte Nehammer. "Unser Ziel muss sein, jene Menschen zu ermuntern, die von Gewalt im privaten Bereich betroffen sind, damit sie die Polizei verständigen."

Derzeit stehen mehr als 516 besonders geschulte Polizistinnen für diese Amtshandlungen zur Verfügung. "Diese Zahl wird noch heuer aufgestockt. Dies bedeutet auch im Streifendienst zusätzliche Spezialisierung und Professionalisierung", sagte Nehammer.

Gewalt an Frauen ist traurige Realität

Frauenministerin Susanne Raab dankte für die gute Zusammenarbeit im Kampf gegen Gewalt im häuslichen Bereich. "Gewalt an Frauen ist traurige Realität in Österreich. So gab es in diesem Jahr bereits 36.000 diesbezügliche Anzeigen und 16 Frauenmorde. Und jede fünfte Frau gibt an, schon einmal Opfer von physischer oder sexueller Gewalt geworden zu sein", sagte Raab.

Aus diesem Grund wurden Maßnahmen im Kampf gegen häusliche Gewalt erweitert, wie die 24-Stunden-Helpline, in jedem Bundesland ein Gewaltschutz-Zentrum sowie 170 Mädchen- und Frauenberatungsstellen. Dafür steht im Familienressort ein Budgetvolumen von 4,7 Millionen Euro zur Verfügung. Und auch der Integrationsfonds wird zusätzlich zwei Millionen Euro dafür zur Verfügung stellen.

"Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit mit dem Innenressort im Rahmen der Kampagne 'GEMEINSAM.SICHER gegen Gewalt an Frauen' intensiviert", sagte Raab. Im Herbst 2020 wird außerdem ein Gewaltschutzgipfel veranstaltet, mit dem Ziel, alle Akteure im Gewaltschutzbereich einzubinden und zu vernetzen, beispielsweise von Interventionsstellen, dem BMI, der Justiz, dem Familienressort und Fachexperten.

OGM-Studie zu häuslicher Gewalt während des Corona-Lockdowns

Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut OGM hat im Auftrag des Innenministeriums eine repräsentative Umfrage (Sample: 811 Befragte, Juli 2020) zur Wahrnehmung häuslicher Gewalt in der Bevölkerung während des Corona-Lockdowns durchgeführt.

Für OGM-Chef Wolfgang Bachmayer ergab die Umfrage ein eindeutiges Ergebnis: Die öffentliche (durch Medien geprägte) Meinung ergab, dass mehr als die Hälfte aller Befragten angaben, dass häusliche Gewalt während der Corona-Pandemie deutlich zugenommen habe. Gleichzeitig herrsche aber die (ebenso mediengeprägte) Ansicht, dass Kriminalität durch Raub, Diebstähle und Einbrüche deutlich abgenommen habe, sagte Bachmayer.

In der Umfrage wurde nach allgemeinen Meinungen zur häuslichen Gewalt und danach getrennt nach effektiven Wahrnehmungen von Übergriffen gefragt. Weiters wurde nicht nur nach negativen Wahrnehmungen wie Gewalt gefragt, sondern auch nach positiven Wahrnehmungen, wie mehr Miteinander und Harmonie während des Lockdowns, im Umfeld gefragt, erläuterte der OGM-Chef.

Fast ein Drittel der Befragten hätten mehr innerhäusliche Spannungen wahrgenommen, aber ebenso viele berichten von mehr Miteinander und Harmonie in ihrem Umfeld während des Lockdowns. "Und eine Mehrheit von 44 Prozent sagt, dass sich während Corona das häusliche Klima nicht verändert hat", sagte Bachmayer.

"Die Studie beweist daher auf Basis objektiver und ausgewogener Fragestellungen, dass es wohl zu mehr innerhäuslicher Gewalt während des Lockdowns gekommen ist, aber von einem enormen Anstieg der Gewalt keine Rede sein kann, wie es Medienberichte von Vorfällen und Kommentare von Expertinnen und Experten vermuten lassen könnten. Das unterstreicht auch die polizeiliche Statistik", betonte Bachmayer.

Quelle: BMI  //  Fotocredit: ©  BMI/Jürgen Makowecz

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