IM GESPRÄCH: Direktorin Martina Decker von der NMS2 Schwanenstadt zum Schul-Neustart nach der Corona-Krise

Kurz vor dem Neustart der Schulen bat Schwanenstadt.news die Direktorinnen der Schwanenstädter Schulen zum Gespräch.

Der Schulbeginn NEU nach und während der Corona-Krise steht an. Wie war für Sie und Ihre Pädagoginnen in dieser außergewöhnlichen Situation die neue Art des Unterrichts?

Die Schulschließung ab 16.3. traf uns alle sehr unvorbereitet. Doch als Team haben wir es geschafft, die Schüler/innen bestmöglich in kürzester Zeit mit Arbeitsmaterialien bis Ostern zu versorgen. Die Zeit bis Ostern war für alle, Lehrer/innen und Eltern, eine absehbare Zeit. Doch als es auch nach Ostern noch hieß, die Schulen bleiben weiterhin geschlossen, stellte uns das vor neue Herausforderungen.

Als zertifizierte Digi-TNMS sind die meisten, und vor allem älteren unsere Schüler/innen, gut mit dem digitalen Arbeiten vertraut. Dieses Arbeiten kam jedoch mit der digitalen Ausstattung zu Hause, am gleichzeitigen Home-Office der Eltern oder, wenn mehrere Kinder zu Hause zu betreuen waren, an seine Grenzen. Wir haben gesehen, dass Medienkompetenz sehr wichtig ist, jedoch auch die Ausstattung zu Hause vorhanden sein muss. Viele Schüler/innen haben ihr Handy verwendet, um Lehrerinnen und Lehrern ihre Arbeiten zu schicken: u.a. Fotos von Arbeitsaufträgen oder Videos von Referaten, Werkunterricht oder Kochunterricht. Sehr viele Schüler/innen bewiesen hier ihre Kreativität. Daher bedankten sich die Lehrkräfte zu Ostern auch mit einer Videobotschaft bei den Schülerinnen und Schülern („physical distancing macht kreativ“).

Weiters stellten wir jenen Schülerinnen und Schülern, welche weniger über digitale Medien arbeiten konnten, ihre Lernpakete in Papierform zur Verfügung. Es gab ein Ablage- und Abholsystem im Eingangsbereich der Schule.

Seit den Osterferien hatten wir bis jetzt immer ca. 20 Kinder zur Betreuung in der Schule, um auch die Eltern beim „homeschooling“ zu entlasten. Es war für uns alle eine herausfordernde, aber auch lehrreiche Zeit.

 

Demnächst geht der Unterricht in Ihrer Schule wieder los. Mussten besonderen Maßnahmen für den Unterricht ergriffen werden, oder gibt es einen ganz normalen Schulbetrieb? 

Wenn der Unterricht am 18.5. wieder startet, wird sich der Schulbetrieb immer noch wesentlich vom gewohnten Schulalltag unterscheiden. Die Vorgaben des Bundesministeriums waren, dass die Klasse in 2 gleich große Gruppen geteilt wird und diese in einem Schichtsystem unterrichtet werden. Wir haben uns von 2 vorgegebenen Modellen für das Reißverschlusssystem entschieden. Das heißt die Gruppen kommen abwechselnd jeden 2. Tag in die Schule. Die Betreuung für jene Schüler/innen, die keinen Unterricht haben, bleibt weiterhin aufrecht.

Da es keinen Sportunterricht und nur eingeschränkten Musikunterricht, sowie keinen Nachmittagsunterricht geben wird, mussten auch die Stundenpläne angepasst werden.

Weitere Vorkehrungen waren auch in Bezug auf „Schutz und Hygiene“ zu treffen. Vom Bundesministerium wurden dazu Empfehlungen in einem Hygienehandbuch zu COVID-19 übermittelt. Dieses beinhaltet die Regeln vor und im Eingangsbereich der Schule, im Schulgebäude und im Klassenzimmer. Es werden die ersten Tage ab Öffnung der Schule bestimmt anstrengend und mühsam, weil es sehr viele Dinge gibt, die zu bedenken sind. Aber gemeinsam werden wir es schaffen, dass sich auch hier bald Routine einspielt. Unsere Stärke als Pflichtschullehrer/innen ist es, Dinge zu tun, die mehr als das übliche Unterrichten sind, darum vertraue ich da sehr auf unseren Zusammenhalt im Team.

 

Sind Sie gespannt auf die Einstellung der SchülerInnen, wenn sie jetzt wieder sozusagen live in den Schul-Alltag einsteigen?

Ja, ich habe schon von vielen Seiten gehört, dass sich die Schüler/innen wieder auf die Schule und auch auf die Lehrer/innen und natürlich ihre Mitschüler/innen freuen. Soziale Kontakte sind wichtig für das Wohlbefinden und somit auch für das Lernen.
Ich hoffe auch, dass bestimmte Berufsgruppen, darunter auch wir als Pädagoginnen und Pädagogen, sowohl bei den Schüler/inne/n als auch bei der gesamten Bevölkerung wieder an Stellenwert gewinnen.

 

Was erwarten Sie sich von den restlichen Monaten des Schulbetriebs?

Die Wochen nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebes dienen der gezielten Vorbereitung auf die nächsthöhere Schulstufe und der Absicherung des erreichten Lernstandes. Daher war es für uns auch nie eine Frage, ob wir an den sogenannten schulautonomen „Zwickeltagen“ unsere Schule öffnen. Wir haben bis jetzt schon ein großes Stück eines gemeinsamen, beschwerlichen Weges gemeistert, wir werden die Schülerinnen und Schüler auch trotz der Corona-Krise noch gut bis zum Schulschluss begleiten.

 

Wird sich die teilweise Unterbrechung auf das Benotungssystem auswirken? Gibt es da Vorgaben von der Regierung?

Vom Ministerium vorgegeben ist: „Als Grundlage für die Leistungsbeurteilung sind alle im Schuljahr 2019/20 erbrachten Leistungen heranzuziehen“. Das heißt die Jahresnote ergibt sich aus der Semesternote, den Leistungen bis 16.3. und der Mitarbeitsnote des „homeschoolings“. Natürlich kann sich in den letzten Schulwochen jeder Schüler/jede Schülerin die Note durch eine „Wunschprüfung“ noch verbessern, sollte das nötig sein. Aber um es mit den Worten unseren Herrn Bildungsministers Heinz Fassmann zu sagen, ich vertraue auf meine Lehrer/innen, dass sie die Schüler/innen mit „Herz und Hirn“ benoten.

Abschließend darf ich noch sagen, dass man in einer Krise merkt, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit im Team und auch mit den Eltern ist. Dafür möchte ich mich bedanken!

Ich hoffe jedoch, dass wir unsere Schule unter solchen Vorzeichen nicht allzu lange und vor allem nicht allzu oft erleben müssen, aber vielleicht lernen wir so den Alltag, über den wir so oft etwas zu sagen haben, wieder mehr zu schätzen. Martina Decker

 

 

Quelle: Schwanenstadt.news / Mediahouse24

Fotocredit: Martina Decker

 

 

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