IM GESPRÄCH: Direktorin Susanna Thallinger vom PTS Schwanenstadt zum Schulneustart nach der Corona-Krise

Kurz vor dem Neustart der Schulen bat die Redaktion von Schwanenstadt.news die Direktorinnen der Schwanenstädter Schulen zum Gespräch.

Frau Dir. Thallinger! Der Schulbeginn NEU nach und während der Corona-Krise steht an. Wie war für Sie und Ihre Pädagoginnen in dieser außergewöhnlichen Situation die neue Art des Unterrichts?

Natürlich hat es uns ziemlich gefordert,“distance learning + home schooling“, von einem Tag auf den anderen zu organisieren. Wir hatten zwar eine Lernplattform, jedoch wurde diese nicht von allen Lehrkräften gleich intensiv genutzt. „Online Kommunikation“ im Team bestand eher aus dem Austausch von Emails, „Online Kontakt“ mit Schüler/innen und Eltern passierte nur in eine Richtung, über unser Online Mitteilungsheft „MEX“= Mitteilungen exklusiv. 

Also gerieten wir doch eher unvorbereitet, aber mit Potential, Kreativität, Vertrauen und dem Willen das Beste aus der Situation zu machen, in diese ganz außergewöhnliche Phase dieses Schuljahres! So vielseitig unsere Schüler/innen sind, genauso vielseitig sind unsere Pädagogen und Pädagoginnen. Kreative, unkomplizierte Lösungen waren jetzt gefragt, um mit dieser Situation gut umzugehen. Sei es bei der Auswahl ihrer Methoden, um die Jugendlichen zu erreichen, um die Lerninhalte zu vermitteln, oder bei der Wahl der geeigneten Plattform, um einfach bestmöglich für sie da zu sein.

Wir ALLE haben in den letzten Wochen eine Menge dazu gelernt!

Schülerinnen und Schüler wurden zu Videokonferenzen mit ihren Lehrkräften eingeladen. Lehrkräfte erstellten eigene Lernvideos, in der Schule, vor leeren Reihen. Nun, sind diese Videos jederzeit abrufbar auf Sozial Media Kanälen. Sogar Online Präsenzunterricht, mit einer ganzen Fachbereichsgruppe wurde möglich. Regelmäßig, laut Stundenplan, wie in der Schule! Es finden auch in dieser extremen Phase, Beratungsgespräche mit Schüler/innen und deren Eltern statt, eben auch per Videoschaltung. Technisches Knowhow, Fingerspitzengefühl und vor allem engagierte Arbeit von Lehrkräften, Schüler/innen und Eltern haben das ermöglicht!

Als Leiterin der Polytechnischen Schule Schwanenstadt bin ich begeistert von der virtuellen Methodenvielfalt und dem Engagement meiner Lehrkräfte. Begeistert bin ich von der Kreativität und dem Durchhaltevermögen unserer Schüler/innen! Es ist sehr mühsam, Arbeitsaufträge oft nur mittels Handy abzuarbeiten oder sich einen PC mit seinen Geschwistern dabei teilen zu müssen. Die unterschiedlichen Ausstattungen der Arbeitsplätze, schaffen leider große Ungleichheiten und differenzierte Chancen!

 

Demnächst geht der Unterricht in Ihrer Schule wieder los. Mussten besonderen Maßnahmen für den Unterricht ergriffen werden, oder gibt es einen ganz normalen Schulbetrieb? 

Ein ganz normaler Schulbetrieb ist leider nicht möglich. Auch wir haben uns dazu entschlossen das „Reisverschlussprinzip“ anzuwenden. An einem Tag ist Schule, am nächsten Tag wird zu Hause gearbeitet. Die Fachbereichsgruppen haben wir geteilt. Der Unterricht findet unter den Vorgaben unseres Bildungsministeriums statt. Die Vorschriften zur Hygiene bestimmen unseren neuen Alltag, ab dem Betreten der Schule. Auch der Stundenplan musste abgeändert werden.

 

Sind Sie gespannt auf die Einstellung der SchülerInnen, wenn sie jetzt wieder sozusagen live in den Schul-Alltag einsteigen?

Sehr viele unserer Jugendlichen freuen sich auf die Schule, freuen sich darauf ihre Freunde wieder zu sehen und freuen sich sogar auf den Unterricht! Natürlich wird der Alltag nicht mehr der gleiche sein, wie vor der Krise. Bereits nach den ersten Wochen im „home schooling“ vermissten die Jugendlichen ihre Schule, ihren Tagesablauf, ihre Struktur. Mittlerweile wissen sie, dass es sehr schwierig ist, neue Lerninhalte selbständig zu erarbeiten. Gemeinsam geht es eben besser! Wir sind alle motiviert und freuen uns auf unsere Schule!

 

Was erwarten Sie sich von den restlichen Wochen des Schulbetriebs?

Da es für unsere Schüler/innen ihr letztes Pflichtschuljahr ist, möchte ich, dass sich alle wieder gut aufgehoben und gut betreut fühlen. Es geht nicht mehr nur darum, alles abzuprüfen und alles zu wiederholen. Dazu reicht die Zeit nicht. Wichtige Inhalte zu festigen, besonders im Fachbereich, wird uns hoffentlich noch gelingen. Jede/r sollte noch nach seinen/ihren Möglichkeiten ein passendes Abschlusszeugnis schaffen!

Leider hat uns „Corona“ einen Strich durch unsere Planung gemacht. Keine eigenständigen Projekte in der letzten Phase des Schuljahres waren mehr möglich, keine Projektwoche als Abschluss der Pflichtschule konnte durchgeführt werden.  Ein wenig Gemeinschaftsgefühl, trotz des wochenlangen „social distancing“ und „distance learning“ wäre schön!

 

Wird sich die teilweise Unterbrechung auf das Benotungssystem auswirken? Gibt es da Vorgaben von der Regierung?

Wir haben klare Vorgaben für die Beurteilung und Empfehlungen durch unseren Herrn Bundesminister. Es geht um Beurteilung mit Augenmaß. Die Abschlussnote setzt sich aus der Semesternote, den Aufzeichnungen in der Schule bis 13.3. und der Mitarbeit im „home schooling“ seit 13.3. zusammen. Schularbeiten gibt es keine mehr, Prüfungen sind noch möglich. Wer seine Aufträge regelmäßig und mit sichtbarem Bemühen erledigt hat, wird natürlich mit einer guten Mitarbeitsnote belohnt.

Ich freue mich, dass ich in dieser Zeit, sehr viele Schüler/innen ganz anders kennenlernen konnte und ihr Potential, trotz Krise sichtbar blieb, danke!

Im nächsten Schuljahr erweitern wir unser Angebot im Fachbereich Handel Büro und bieten Inhalte aus der Medientechnik und Medeindesign an. „COM“ – Commerce/ Office/ Mediendesign, aktuell genau die richtige Wahl um „medienfit“ zu werden und um Kompetenzen zu erwerben, die im Alltag immer wichtiger werden.

Ich wünsche unseren Absolventen und Absolventinnen alles Gute für den Start in das Berufsleben, für den Beginn der Lehre oder für den Übertritt in eine weiterführende Schule! 

Susanna Thallinger

 

Quelle: Schwanenstadt.news / Fotocredit PTS: Susanna Thallinger

 

 

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