Ist die hausärtzliche Versorgung in Österreich gefährdet?

Die Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) hat sich mit dieser Problematik intensiv auseinandergesetzt.

Im Masterplan Allgemeinmedizin wurden 6 Sektoren identifiziert, die für eine Aufwertung der Hausarztmedizin relevant sind.

In den Bereichen universitäre Ausbildung, Fachausbildung, Niederlassung, niedergelassene Tätigkeit, strukturelle Aufwertung und ökonomische Wertschätzung wurden verschiedene Maßnahmen im internationalen Vergleich auf wissenschaftliche Evidenz der Wirksamkeit überprüft. Wichtig war, die Voraussetzungen und Konsequenzen der Maßnahmen und ihre Wechselwirkungen mit zu beurteilen.

Mit eingeflossen ist eine Studie der Universität Graz zur Berufsmotivation von jungen ÄrztInnen und StudentInnen: Link

Folgende erforderliche Maßnahmen wurden identifiziert:

  1. Aufwertung der Allgemein-und Familienmedizin an den Universitäten = gut ausgestattete Institute für AM
  2. Aufwertung des Status der Allgemeinmedizin auf das Niveau der Fachärzte
    1. Facharzttitel
    2. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildung
    3. Ökonomische Gleichstellung bzw. Chancengleichheit

Flexible Kooperationsformen, um ein schrittweises Hineinwachsen in die Rolle des selbständigen allein verantwortlichen Hausarztes (Ärztin) zu ermöglichen. Damit verbunden sind auch verschiedenste Organisationsformen zur besseren Verteilung der Arbeitslast. Primärversorgungseinheiten und –netzwerke können ein Teil der Problemlösung sein, für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung muss das bestehende System in die Reform mit eingebunden werden. Einige Maßnahmen wurden schon eingeleitet. Vor allem vor dem Hintergrund des großen Interesses der Jungen an der AM (mehr als 50%), die sich allerdings von den Voraussetzungen und Möglichkeiten abschrecken lassen, gilt es jetzt, konsequent die nächsten Schritte zur Aufwertung der Allgemeinmedizin zu setzen.

Dringlichstes Ziel ist die Sicherung einer solidarischen, medizinischen Versorgung der gesamten österreichischen Bevölkerung. Die verfügbaren wissenschaftlichen Unterlagen liegen vor. Der Umsetzung der manchmal erhobenen Forderung nach einer evidenzbasierten Politik steht nichts im Wege.

Quelle: OTS   //   Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM), Dr. Christoph Dachs //  Foto: Symbolfoto