„Mann spricht´s an“

Sozialministerium startet Sensibilisierungskampagne zur Verhinderung von Männergewalt

Sozialminister Dr. Wolfgang Mückstein startet eine umfassende Initiative gegen Männergewalt. Fokus der Kampagne, die während der Aktionstage „16 Tage gegen Gewalt“ diese Woche beginnt, ist eine breite, niederschwellige Sensibilisierung für das Thema Männergewalt mit dem Ziel der Gewaltprävention. „Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Fälle häuslicher Gewalt während eines Lockdowns leider zugenommen haben. Daher ist Aufklärung nun besonders wichtig: Wo beginnt Gewalt und wie kann geholfen werden? Mit der Kampagne wollen wir Betroffene sowie potentielle Täter über Hilfs- und Unterstützungsangebote aufklären. Diese müssen niederschwellig und in der Bevölkerung bekannt sein. Gewaltprävention und Opferschutz brauchen Täterarbeit sowie Männer- und Burschenarbeit, damit Gewalt erst gar nicht entsteht“, so Mückstein zur Intention der Informationsmaßnahmen.

„Gewalt von Männern reicht von abfälligen Bemerkungen über verbale Gewalt durch Beschimpfungen, über selbstverletzendes Verhalten und physische Gewalt gegenüber anderen bis hin zum Mord. Allein die mittlerweile bereits 28 Femizide in diesem Jahr in unserem Land machen deutlich, dass die aktuellen Maßnahmen dringend notwendig sind. In unserer neuen Kampagne steht der Schutz vor häuslicher Gewalt, die Gewalt gegen Partner:innen und Kinder, die von Männern ausgeübt wird, im Zentrum. Diese häusliche Gewalt kann in unterschiedlichen Formen auftreten, psychisch und physisch. Der Opferschutz ist das Ziel“, so Mückstein.

Justiz: Informationskampagne für Betroffene von Männergewalt und Stärkung von Prävention

„In der weit überwiegenden Anzahl von Fällen von Gewalt gegen Frauen geht diese von Männern aus. Heute zählen wir bereits 28 Frauenmorde und zusätzlich 40 Frauen, die beinahe ermordet wurden. Veraltete und überholte Vorstellungen von Männlichkeit spielen hier eine große Rolle. Als Gesellschaft müssen wir genau da ansetzen. Nur so können wir Gewaltspiralen unterbrechen, bevor sie entstehen. Ich bin daher sehr froh über die Kampagne von Sozialminister Mückstein, mit der wir klarmachen: Wer Hilfe sucht, zeigt Stärke“, so Justizministerin Alma Zadić.

Eine besondere Rolle kommt auch Täterarbeit und Anti-Gewalt-Trainings zu: In Zukunft können bei Verfahren zum Schutz vor Gewalt in Wohnungen und zum allgemeinen Schutz vor Gewalt auch Richter:innen auf Antrag oder von Amts wegen die Teilnahme an einer Beratung zur Gewaltprävention anordnen, wenn der Gefährder noch an keiner Gewaltprävention nach dem Sicherheitspolizeigesetz teilgenommen hat. Durch diese opferschutzorientiere Täterarbeit soll eine Verhaltensänderung bei den Gefährdern herbeigeführt werden. Ergänzend plant das Justizministerium eine Informationskampagne, um Frauen und Kinder für das Instrument der Prozessbegleitung zu sensibilisieren. „Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, sollen die Möglichkeit bekommen sich schnell Unterstützung zu holen. Dazu wurden im aktuellen Budget 500 000 Euro für die Informationskampagne vorgesehen“, erläutert Alma Zadić.

mannsprichtsan.at – Beratungs- und Hilfsangebote für Männer

Die breit angelegten Kommunikationsmaßnahmen dienen als Träger, um Angebote des Sozialministeriums im Bereich Männergewalt zu forcieren und bekannt zu machen („Call to Action“). Spezifische Hilfs- und Beratungsangebote für Männer, die das Sozialministerium durch Förderprogramme unterstützt (z.B. die Männerinfo-Hotline) sollen dadurch bekannter gemacht werden. Eine Übersicht über diese Angebote findet sich auf der Informationsseite mannsprichtsan.at des Sozialministeriums.

Sag was – selbst aktiv werden und Gewalt verhindern

Als Sensibilisierungskampagne verstanden, soll die breite Bevölkerung angesprochen werden. Vor allem Personen, die Angehörige von Betroffenen sind oder Zeug:innen werden, sollen mit der Kampagne angesprochen und über Möglichkeiten aufgeklärt werden, einen aktiven Beitrag zu leisten, um Gewalt zu verhindern. Zentrales Ziel dieser Kampagne ist es aber auch, Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die bisher noch nicht erreicht wurden.

„Ich will direkt bei Männern ansetzen, bevor es zu Gewalt kommt und dabei nicht die Symptome behandeln, sondern die Wurzeln. Das traditionelle Männerbild, das leider auch heute noch oft von Gewalt geprägt ist, ist überholt. Männer sollten anerkennen, dass sie Hilfe brauchen, wenn Frustration und Angst in Hass und Aggression umschlagen. Jeder Mann soll in solchen Situationen Verantwortung übernehmen und sich aktiv Unterstützung holen. Wer in diesen Momenten Hilfe sucht, zeigt Stärke und ist dabei, das Problem zu lösen", so der Sozialminister. Die Informationsmaßnahmen starten diese Woche und sind über einen längeren Zeitraum bis ins nächste Jahr hinein geplant. Gestartet wird mit Online-Informationsmaßnahmen.

Ausbauweitung von Männerberatungen und Projektförderungen

Darüber hinaus baut das Sozialministerium das Angebot im Bereich der Männerberatungen und in der gewaltpräventiven Buben- und Burschenarbeit in enger Zusammenarbeit mit dem Dachverband für Männer-, Burschen-, und Väterarbeit in Österreich (DMÖ) weiter aus. Ziel ist, ein österreichweit bedarfsgerechtes Angebot für Männerberatung, um eskalierende Konflikte, gewaltvolle Entwicklungen und fremd- sowie selbstgefährdendes Verhalten zu verhindern. Auch das Männerinfo-Telefon wird verstärkt. Diese gewaltpräventive, österreichweite Männerberatungs-Helpline für Männer, Burschen sowie deren Angehörige in Krisen und schwierigen Lebenslagen bietet 365 Tage im Jahr rund um die Uhr kostenlose, anonyme und vertrauliche Erst- und Krisenberatung insbesondere bei Ausübung von Gewalt im familiären Kontext sowie die Vermittlung weitergehender Hilfe und Unterstützung.

Darüber hinaus wurden weitere Projektförderungen im Bereich Gewaltprävention umgesetzt bzw. ausgebaut. Dazu zählen etwa „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser, das die gewaltpräventive Einbindung der Nachbarschaft im Fokus hat, oder „PERSPEKTIVE:ARBEIT“, ein Projekt, das die Vermittlung von gewaltbetroffenen Frauen in den ersten Arbeitsmarkt unterstützt.

Insgesamt umfasst das Maßnahmenpaket des Sozialministeriums zur Gewaltprävention im Jahr 2021 ein Ausgabenvolumen von rd. 4 Mio. Euro.

Quelle: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Mag. (FH) Andrea Zefferer, MSc Pressesprecherin / ots  //  Fotocredit: Playergeneriert  //  Videocredit: Youtube/hAAAsjp5vwE

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