WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer: „Konjunktur im Sinkflug - daher jetzt handeln!“

Die dunklen Wolken am Konjunkturhimmel verdichten sich. Die Wirtschaft muss daher bald durch die angekündigte Reform des Steuersystems befeuert werden.

 

 

 

WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer
  • © ROBERT MAYBACHWKOÖ-Präsidentin Doris Hummer

„Sofort greifen müssen darüber hinaus Vereinfachungen und bürokratische Entlastungen“, reagiert WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer auf die aktuellen Reformpläne der Bundesregierung. „Genauso brauchen wir für Unternehmer und Arbeitnehmer gleichermaßen mehr Netto vom Brutto. Und Innovationsanreize im Steuersystem inklusive intelligenter Fördermechanismen, damit betriebliche Innovationen noch mehr zu Treibern von Wachstum und Wohlstand werden“, unterstreicht Hummer.

Die Top-Forderungen der Wirtschaftskammer Oberösterreich im Detail:

KöSt. auf unter 20 Prozent senkenLohnverrechnung (weiter) vereinfachen
Kalte Progression abschaffen (durch Automatismus)Bagatellsteuern (z.B. Werbeabgabe, Schaumweinsteuer, Flugabgabe, Rechtsgeschäftsgebühren) streichen
Lohn- und Einkommensteuer nachhaltig senkenGrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 400 auf 1.500 Euro anheben
Einkommensteuerpauschalierung ausbauen (auf freiwilliger Basis, ohne Verschlechterungen)Erleichterungen bei Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht beibehalten

1. KöSt. auf unter 20 Prozent senken

Die Körperschaftsteuer (KöSt.) spielt gemeinsam mit der Steuerbemessungsgrundlage eine wesentliche Rolle bei der Standortwahl. Eine allgemeine Satzsenkung wäre hier ein deutlicheres Standortsignal, als eine Begünstigung für thesaurierte Gewinne. Zuletzt ist die KöSt. 2005 von 34 auf 25 Prozent gesenkt worden. Mit 25 Prozent liegt der österreichische KöSt.-Satz über dem europäischen Durchschnitt. Vor allem Nachbarstaaten (z.B. Ungarn, Slowakei, Tschechien, Slowenien) haben teils deutlich niedrigere Sätze.

2. Kalte Progression abschaffen (durch Automatismus)

Eine Abschaffung der kalten Progression ist leistungsfreundlich auszugestalten; alle Steuerstufen sollen gleichbehandelt werden. Die Maßnahme stärkt die Kaufkraft und stützt damit die Konjunktur.

3. Lohn- und Einkommensteuer nachhaltig senken

Arbeit wird in Österreich noch immer zu hoch besteuert. Deshalb ist dringend eine Senkung der Lohn- und Einkommensteuer – gleichmäßig über alle Stufen – notwendig.

4. Einkommensteuerpauschalierung ausbauen 
(auf freiwilliger Basis, ohne Verschlechterungen)

Ziel ist die Vereinfachung der Einkünfteermittlung und damit die Senkung der Verwaltungslasten für Unternehmen und Finanzverwaltung. Gefordert werden eine Betriebsausgabenpauschalierung von 50 Prozent der Einnahmen für KMU und EPU. Alle Aufwendungen sind damit der Pauschale abgegolten. Außerdem soll eine vereinfachte Steuererklärung für diese Fälle vorgesehen werden.

5. Lohnverrechnung (weiter) vereinfachen

Mit der Lohnverrechnung und der Abfuhr der Sozialversicherungsbeiträge erbringen Arbeitgeberbetriebe eine kostenlose Dienstleistung. Nichtsdestotrotz haften sie regelmäßig für die richtige Berechnung und Abfuhr. Es sind daher dringend noch weitere Vereinfachungen notwendig wie etwa die Einhebung bzw. Abfuhr an eine Stelle oder Haftungsbeschränkungen für Arbeitgeber.

6. Bagatellsteuern (z.B. Werbeabgabe, Schaumweinsteuer, Flugabgabe, Rechtsgeschäftsgebühren) streichen

Die ersatzlose Streichung steuerlicher Bestimmungen mit geringer Aufkommenswirkung, aber hoher administrativer Belastung für Finanzverwaltung und Steuerpflichtige (Bagatellsteuern) trägt wesentlich zur Systemvereinfachung bei. Eine Abschaffung der Rechtsgeschäftsgebühren bringt außerdem mehr Rechtssicherheit, da Bemühungen hinsichtlich einer Gebührenvermeidung oft zu einer ungenügenden Beurkundung führen, die letztlich wiederum in Rechtsstreitigkeiten und Beweisproblemen münden.

7. Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 400 auf 1.500 Euro anheben

Die Grenze von 400 Euro für sofort abschreibbare Wirtschaftsgüter wurde seit 1982 praktisch nicht erhöht. Durch eine Anhebung auf 1.500 Euro kann ein – zusätzlicher – Impuls für Investitionen gesetzt werden. Außerdem bringt die Anhebung eine Verwaltungsvereinfachung für Unternehmen. Alle Branchen profitieren von einer Anhebung.

8. Erleichterungen bei Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht beibehalten

Die Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht verlangt die Ausstellung einer Rechnung samt entsprechender Bezeichnung der Produkte. Die Verwendung von Sammelbegriffen oder Gattungsbezeichnungen wie Obst, Gemüse ist nicht zulässig. Durch eine Übergangsregelung bis 31. Dezember 2020 dürfen Unternehmen mit einem umfangreichen Warensortiment und keinem Warenwirtschaftssystem solche Sammelbegriffe bzw. Gattungsbezeichnungen noch verwenden. Diese Übergangsregelung soll unbefristet gelten.

Quelle: WKO VB  Foto: © ROBERT MAYBACHWKOÖ-Präsidentin Doris Hummer